Bonnet, Anne-Marie: Kunst der Moderne - Kunst der Gegenwart. Herausforderung und Chance

Aus Moderne
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Autorin:

Anne-Marie Bonnet wurde 1954 in Freiburg im Breisgau geboren. Sie studierte Sport, Germanistik, Anglistik, Romanistik und Kunstgeschichte. 1982 folgte ihre Promotion in Kunstgeschichte. Sie war von 1993 bis 1996 Dozentin am Kunsthistorischen Institut der Universität Leipzig, ab 1996 Professorin für Kunstgeschichte in Freiburg und ist seit 1997 Universitätsprofessorin am Kunsthistorischen Institut in Bonn. Bonnets Forschungsschwerpunkte sind die Kunst der Dürerzeit, Rodin, Kunst und Körper, Fotografie, Malerei im Zeitalter der neuen Medien.

Titel und Publikationsdaten:

Bonnet, Anne-Marie: Kunst der Moderne Kunst der Gegenwart. Herausforderung und Chance. Köln 2004

Inhalt:

Bonnet unterteilt ihr Werk in drei große Kapitel, welche wiederum mehrere Unterkapitel so wie Exkurse enthalten. In dem ersten Kapitel geht es um den bisherigen chronologischen Umgang der Kunstgeschichte mit der Moderne und der Gegenwart. Sie unterteilt die Moderne hier in sieben Etappen, die folgende sind: Historische Moderne (ca. 1820 – ca. 1900), Klassische Moderne (ca. 1905 – ca. 1925), Abbruch der Moderne (1925/33 – 1939/45), Restaurierung der Moderne (1948 bis Ende der 50er Jahre), Modernismus (Nordamerika ab ca. 1945/48), Neo-Avantgarden (50er und 60er Jahre) und Postmoderne (ab Mitte der 60er Jahre). Währenddessen geht sie nicht nur auf die Kunst, welche sie mit Künstlerbeispielen und historischen Ereignissen des Kunstgeschehens anschaulich macht, zu dieser Zeit ein. Sondern sie gibt auch einen Einblick in den politischen und gesellschaftlichen Wandel unterschiedlicher Regionen der jeweiligen Zeit. Daraufhin zieht Bonnet eine erste Bilanz: Kriterien der Moderne/Gegenwart in den Künsten. Hier kommt sie zu dem Schluss, dass man die Moderne als ein Prozess anstatt als etwas Ganzes sehen muss. Sie betont, dass dennoch Symptome der Moderne entwickelt werden wie zum Beispiel das Entstehen von moderner Kunst ohne Auftrag, die Tendenz zur Abstraktion bzw. zum Flüchtigen und die Bildung von neuen Öffentlichkeitsstrukturen wie Galerien, Kunstzeitschriften, Sezessionen und privaten Ausstellungen.

Im nächsten, kurz gehaltenem Kapitel "Die Gegenwart als Herausforderung für die Kunstgeschichte" geht es um den Umgang mit der Zeit. Die Gegenwart wie die Moderne bejahen beide ihre Jetztzeit, wobei die Moderne dies als vorwärts gerichtet verstand. Die Gegenwart stellt sich damit hingegen immer wieder in Frage. Somit ist die zeitgenössische Kunst kein Fortschritt, sondern ein anderer Umgang mit der Vergangenheit und der Jetztzeit. In diesem Kapitel geht Bonnet auch auf das Verhältnis von Kunstepochen und Kunstgeschichte ein. Wobei die Kunstgeschichte kein objektiver Betrachter ist.

Es folgt das letzte und längste Kapitel "Kunstgeschichte und Moderne/Gegenwart": Kunstgeschichte in -tableux-. Bonnet beschreibt, dass die Moderne und vor allem die Zeitgenössische Kunst die Kunstgeschichte zum verändern und überdenken zwingt. Sie geht auf drei verschiedene Perspektiven ein. Perspektive 1: Das Verhältnis von Moderne/Gegenwartskunst zur Öffentlichtkeit geht auf die Entwicklung der Ausstellungsmöglichkeiten ein. In der Antike und im Mittelalter entstand Kunst im Auftrag mit einer definierten Funktion wie der Glaubenspropaganda oder der Repräsentation und Legitimation von Macht. Somit waren Kirchen bzw. Tempel, sowie öffentliche Bauten und Plätze Ausstellungsorte für die damalige Kunst. In der Renaissance entstanden dann durch Kunstmäzenen zum Zwecke der Selbstinszenierung und der Legitimation private Sammlungen. Das Selbstbewusstsein der Künstler stieg immer mehr, Werke wurden verkauft und somit zur Ware. Im 18. Jahrhundert gibt es regelmäßige Ausstellungen wie 1937 der erste Pariser Salon, wodurch neue Publikumsschichten erreicht wurden. Auch Künstler wie Jaques Louis David begannen ihre Kunst in ihren privaten Ateliers auszustellen. 1794 eröffnete dann das Louvre, was Bonnet als eine Folge der französischen Revolution sieht. Sie sieht hier schon eine moderne Haltung. Weiterhin beschäftigt sie sich mit der Beziehung des Museums mit Moderne, welche sich zunächst zu widersprechen scheinen, da die Moderne oft die Ablehnung von Tradition verkörpert und das Museum für Tradition steht. Bonnet kommt zu der Bilanz, dass es für Moderne so wie für die gegenwärtige Kunst nicht einfach ist gegen Institutionen des „Betriebssystems Kunst“ anzukämpfen, da sie gleichzeitig auf sie angewiesen sind. Außerdem seien Museen nicht nur wie zunächst angenommen Ansammlungen von ort- und funktionslos gewordenen Kult- bzw. Repräsentationsgegenständen, sondern Institutionen, die gezielt Einfluss auf ideologische, politische und wirtschaftliche Interessen haben. Danach widmet sich die Autorin der Rolle der Ausstellungen, welche dem Deutungsmonopol der Museen Konkurrenz machten. Das (nachhaltige) Wirken aber auch das Nichtwirken ist durch verschiedenste Faktoren wie z.B. Zufälle, Koinzidenzen, Aussichten und Absichten beeinflusst. Sie gibt auch einen einen Überblick über wichtige Ausstellungen der Moderne. Diese bleiben lange Zeit national unterschiedlich bis die Pop-Kultur und der Kunstmarkt Angleichungen bringen. In der zweiten Perspektive geht es um das moderne und zeitgenössische Künstlertum. Hier wird wie bereits zuvor die auf Frage der Autonomie des Künstlers eingegangen, auch mithilfe von Fallbeispielen von Pablo Picasso und Max Beckmann und dem Phänomen der Künstlergemeinschaften. Nach Bonnet verkörperten die modernen Künstler Rollen, in denen sie durch Selbstinszenierung ihr Anderssein ausleben und nach außen hin Relevanz geben konnten. Danach geht sie auf das Künstlertum nach 1945 ein, da der zweite Weltkrieg einen großen Bruch darstellte. Während in den 50er Jahren die „Restaurierung der Moderne“ stattfand, entstand in den 60ern der Neo-Avantgardismus, der die ersten Avantgarden aufnahmen und diese radikalisierte. Die 70er sind geprägt von der „De-Subjektivierung“, wobei der Künstler hinter das Werk tritt. Bonnet geht auch auf das vermehrte Aufkommen von Frauen in der Kunst ein, die nun eine immer wichtigere Rollen spielen. In den 80er Jahren ging die Kunst in eine unübersichtliche Vielheit über, da Anliegen und Ansichten immer breiter gefächert waren. Wichtig zu erwähnen sind auch die neuen Medien, welche eine neue Ausdrucksform darstellten. Für die 90er Jahre spielt die Globalisierung eine große Rolle, welche sich nicht mehr nur auf die westliche Kunst konzentrieren lässt. Zuletzt geht es um Werkbegriffe und -konzepte von Moderne und Gegenwart. Materielle Gebilde wie Malerei, Skulptur/Plastik, Graphik und Architektur wurden aufgelöst oder weiterentwickelt. Auch ließ sich danach nicht immer genau zwischen Kunstwerk und Künstler unterscheiden. Zu allerletzt gibt Bonnet ihre Bilanz, in der ihrer Meinung nach das künstlerische Feld so komplex geworden ist, dass „Was Kunst ist“ immer neu erfasst und bestimmt werden muss. Sie rät der Kunstgeschichte sich den Werken der Moderne und zeitgenössischer Kunst vorurteilslos zu nähern.

Quellen:

Bonne, Anne_Marie: Kunst der Moderne Kunst der Gegenwart. Herausforderung und Chance, Köln 2004.

http://www.khi.uni-bonn.de/Institut/mitarbeiter-1/bonnet

Autorin des Artikels:

Dana Bulic

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