Imperialismus

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Imperialismus

Definition:

„Imperialismus Das seit dem 19. Jahrhundert gebräuchliche Substantiv ist relatinisiert aus französisch impérialisme (bzw. englisch imperialism), einer Bildung zu dem spätlateinischen Adjektiv imperialis »die Staatsgewalt betreffend; kaiserlich«, das von lateinisch imperium »Befehl; Herrschaft, Staatsgewalt; (Kaiser)reich« abgeleitet ist (vergleiche Imperativ). – Dazu: Imperialist »Vertreter des Imperialismus« (19. Jahrhundert) und imperialistisch (19. Jahrhundert)“ Quelle:  Auszug aus Munzinger Online/Duden - Das Herkunftswörterbuch; 5., neu bearbeitete Auflage, Bibliographisches Institut GmbH, Berlin, 2014. (abgerufen von Universitätsbibliothek Düsseldorf am 29.5.2019)

„1. a) 〈o. Pl.〉 Bestreben einer Großmacht, ihren politischen, militärischen und wirtschaftlichen Macht- und Einflussbereich immer weiter auszudehnen: der koloniale Imperialismus; b) imperialistische Aktivität, einzelnes imperialistisches Unternehmen. 2. 〈o. Pl.〉 (marxistische Wirtschaftstheorie) zwangsläufig eintretende Endstufe des Kapitalismus mit konzentrierten Industrie- und Bankmonopolen.“ Quelle: Auszug aus Munzinger Online/Duden - Deutsches Universalwörterbuch; 8., überarbeitete und erweiterte Auflage, Bibliographisches Institut GmbH, Berlin, 2015. (abgerufen von Universitätsbibliothek Düsseldorf am 29.5.2019)


Geschichte:

Marco Polos Erzählungen von dem sagenhaften Land Indiens, in welchem teure Gewürze, Bodenschätze und Stoffe existierten, spielte eine große Rolle in der Geschichte des Kolonialismus. Durch diese Erzählungen wurden die europäischen Großmächte auf Indien aufmerksam und ein Wettlauf um die Entdeckung des Seeweges nach Indien startete.

Ein Wettlauf zwischen den europäischen Großmächten um die Expansion der eigenen Grenzen auf anderen Kontinenten und die damit verbundene Steigerung der eigenen Macht führte 1884 zur Berliner Konferenz.

Die Berliner Konferenz oder auch Kongo- oder Westafrika-Konferenz genannt, fand von 1884-1885 in Berlin statt. [1] Auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck trafen sich dort Vertreter von 13 europäischen Staaten, der USA und des Osmanischen Reiches, um über die Aufteilung und die Zukunft des Afrikanischen Kontinentes zu verhandeln. Dabei wurden Regelungen festgelegt, die eingehalten werden mussten, damit ein Kolonialgebiet anerkannt wurde. Diese Regelungen besagten unter anderem, dass nur die Großmacht, die das Land auch besetzt hatte, das Recht auf Anerkennung dieser Kolonie besaß. Eine weitere Regelung beinhaltete die Neutralität des Kongobeckens und der Beginn des freien Handels und der freien Schifffahrt. Auch der Sklavenhandel, nicht jedoch die Sklaverei, wurde verboten.

Es fand ein Wettrennen zwischen den europäischen Großmächten statt, das sich nicht nur auf die Eroberungen konzentrierte, sondern auch auf die Industrialisierung und das Wettrüsten auswirkte. In kürzester Zeit war der afrikanische Kontinent unter den Europäern aufgeteilt. Waren 1876 nur ca. 10% des Kontinentes kolonialisiert, so waren es 1902 schon ca. 90%.[2] (Nicht kolonialisiert waren nur Liberia und Abessinien (heute Äthopien))


Beispiele für Kolonialmächte und ihre Kolonien:[12]

Belgien: Demokratische Republik Kongo

Deutschland: Namibia, Kamerun, Tansania, Ruanda, Burundi

Frankreich: Madagaskar, Algerien, Tunesien, Mauretanien, Mali,Niger, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Senegal, Guinea, Dschibuti, Congo, Gabun

Großbritannien: Ägypten, Sudan, Sierra Leone, Ghana, Nigeria, Norden Somalias, Uganda, Kenia, Malawi, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Swasiland, Lesotho, Botswana

Italien: Libyen, Eritrea und Süden/Mitte Somalias

Portugal: Mosambik, Angola

Spanien: Norden Marrokos, Westsahara und Äquatorial Guinea


Gerechtfertigt wurde die Einteilung des afrikanischen Kontinentes und damit auch die Aufteilung und Ermordung der darin lebenden Menschen mit dem sogenannten Sozialdarwinismus. In den Augen der europäischen Kolonialherren waren die afrikanischen Menschen durch ihre andere Lebensart und ihr anderes Aussehen, „Wilde“, die ihnen unterlegen waren und zivilisiert werden mussten. Jeder der sich dagegen wehrte, wurde umgebracht oder gewaltsam zur Anpassung gezwungen. [3] Der Rassismus war die Folge der brutalen Expansionspolitik der europäischen Großmächte. [4]

Zur gleichen Zeit verbreitete sich auch das chauvinistische Denken in Europa. Jedes kolonialisierende Land fühlte sich von Gott auserwählt. Darin sahen diese Länder eine weitere Rechtfertigung ihrer Expansionspolitik und eine Berechtigung für ein verdientes, wichtigeres Machtstreben im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

Durch diese Einteilung auf dem afrikanischen Kontinent, bei der keine Rücksicht auf Stammesterritorien genommen wurde, kam es nicht nur zu Konflikten unter den verschiedenen europäischen Ländern, sondern auch zu Kämpfen zwischen den verschiedenen Stämmen, die bis heute anhalten. Der wohl bekannteste Konflikt ist hierbei der Völkermord der Hutu an den Tutsi in Ruanda 1994, bei denen ca. 800.000-1.000.000 Menschen ermordet wurden. [5]

Hinzu kommen noch Kämpfe zwischen den Kolonialherren und den Kolonialisierten. Bei dem Aufstand der Herero und Nama gegen die deutschen Kolonialherren 1904 in Namibia, starben ca. 50.000-70.000 Menschen der Herero und Nama. Dabei sind die Opferzahlen noch bis heute umstritten. Der Aufstand wird auch als Genozid und Vernichtungskrieg beschrieben. [6]

In diesem Video wird die Entwicklung von Imperien anschaulich dargestellt: https://www.youtube.com/watch?v=ymI5Uv5cGU4


Ideologie und philosophische Grundlage

Die Ideologie des Imperialismus verändert sich, je nachdem, welchen Zeitraum und welche „Imperien“ man untersucht. Der römische Imperialismus wurde zum Beispiel dadurch gerechtfertigt, dass man die „barbarischen“ Nachbarvölker in das römische Reich eingliedern wollte, um diese „zu zähmen“. Imperialismus bezeichnet das Bestreben eines Staatswesens andere Gruppierungen, Länder, Nationen, Staaten etc. zu unterwerfen, eingliedern und anderweitig zu beherrschen, um den Machtbereich der jeweiligen Imperialmacht zu erweitern. Schon im 16. Jahrhundert galt Imperialismus als auf Despotie und Militärherrschaft beruhende Herrschaftsform. Jedoch war der eigentliche Höhepunkt des Imperialismus im 19. Jahrhundert, in das auch der Höhepunkt der Kolonialzeit fällt. Robert J. C. Young bezeichnet Imperialismus im Gegensatz zu Kolonialismus als aus dem Zentrum als staatliche Politik operierend, während Kolonialismus nicht mehr als Siedlungs-, oder Wirtschaftsentwicklung bedeute. Zugrundeliegend war in dieser Zeit das Bestreben, die Macht und den Einfluss des eigenen Staates zu erweitern, oft begleitet durch sozialdarwinistische Rechtfertigungsstrategien. Dies beinhaltete, Menschen aus meist anderen Kontinenten und mit anderen ethnischen Herkünften, sowie Mitglieder anderer Religionen als zurückgeblieben, barbarisch und unzivilisiert zu bezeichnen. Die Marxistische Wirtschaftstheorie beschreibt Imperialismus als die höchste Form des Kapitalismus. Dabei wird davon ausgegangen, dass der heimische Markt sich sättigt und auf den ausländischen Markt übergreift, wobei es zu einem Wettstreit zwischen den einzelnen Marktteilnehmern kommt. Hier wird oft der kalte Krieg als Beispiel genommen. Innerhalb der Recherche wurden noch unzählige weitere Definitionen gefunden, aber dies würde den Rahmen dieses Wikis sprengen.

Für weiterführende Informationen: Deppe, Frank, David Salomon, and Ingar Solty. Imperialismus. Köln: PapyRossa, 2011. Lichtheim, George. Imperialism. New York: Praeger, 1971. Mommsen, Wolfgang J. [Herausgeber]. Imperialismus. 1. Aufl. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1977.
Ottmann, Henning. Der Totalitarismus Und Seine Überwindung. Stuttgart [u.a.]: Metzler, 2010. Said, Edward W. Orientalismus. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer, 2012.


Heutige Auswirkungen Der Imperialismus hat positive als auch negative Auswirkungen auf die heutige Welt, wie die Globalisierung. Durch die Verknüpfung der Länder, wurde der globale Markt für Importe und Exporte geöffnet. Ein positiver Effekt ist, dass diverse Produkte wie Obst aus wärmeren Ländern, nun überall erhältlich wurden, unabhängig vom Klima. Ein weiterer Aspekt ist die Veränderung der Unternehmensstrukturen. Für Konzerne wird es demnach leichter Standorte ins Ausland zu verlegen, mit anderen Unternehmen aus dem Ausland zu arbeiten oder auch lediglich Produktionsmittel günstiger einzukaufen.[7] Dies verbessert zwar die Handelsmöglichkeiten, allerdings entstehen Chancen Ungleichheiten zwischen dominierten Ländern und fortschrittlicheren Monopolen. Neben dem Handel verändert sich die Ordnung von Krieg und Gewalt. Armeen werden mit neuen Technologien ausgestattet und Bereiche des Militärs in andere Länder verlagert.[8] Ein Beispiel für dieses militärische Outsourcing sind die Atomwaffen der USA, die in Europa gelagert werden.[9] Ein Weiterer neuer Aspekt der durch den technologischen Fortschritt ermöglicht wird, sind Cyberwars, welche den Ort des Kriegs ins Internet verlagern. [10] Die Auswirkungen sind also positiv als auch negativ zu Werten. Es wurden uns neue Möglichkeiten eröffnet, allerdings ist der Zugang zu diesen nicht jedem gewährt und es herrscht nach wie vor die globale Chancenungleichheit. Imperialismustheorien Es gibt verschiedene Imperialismustheorie, die versuchen Imperialismus zu erklären. Sie stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Es gibt zum einen den Ökonomischen Erklärungsversuch. Vertreter dieser Theorie sind Hilferding und Lenin die der Ansicht waren, der Imperialismus sei eine Etappe des Kapitalismus und das Ziel sei die Überwindung des Kapitalismus, wodurch es keine Konkurrenz auf dem monopolistischen Markt mehr gäbe. Die ökonomische Imperialismustheorie kritisiert demnach die Monopolbildung. Im Gegensatz dazu steht nicht-ökonomische Theorieansatz. Auch hier gibt es mehrere Vertreter. Einer von ihnen ist Schupert, der den Drang der Aristokraten nach Krieg und Eroberung als Antrieb benennt. Hobson ist der Auffassung der Imperialismus sei die Folge der Suche der Aristokraten nach neuen Kapitalanlagemöglichkeiten auf globaler Ebene. Und Feldhouse beschreibt den Imperialismus als extremen Nationalismus. Aus der Theorie, dass es zum Imperialismus kommen musste, da die Kulturen zwangsläufig aufeinandertreffen mussten, entstand der von Said geprägte Orientalismus. Neben den vorherigen Theorien gibt es die peripherie-orientierte Imperialismustheorie. Die besagt, dass es den Ländern nicht um politische und militärische Machtausübung ging, sondern das Ziel war die Expansion. Vertreter dieser Theorie sind Gallagher und Robinson. Ein anderer Ansatz war der „Sozialimperialismus“, bei dem der Imperialismus nur begann um die Menschen von den Problemen im eigenen politischen System abzulenken.[11] Es zeigt sich, dass Imperialismus ein nicht eindeutig einzuordnendes Phänomen ist. Die Imperialismustheorie ist ein aktueller Diskurs, bei dem es immer wieder zu neuen Ansätzen kommt.


Fußnoten: [1] https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/namibia/stadtspaziergang/reichskanzlerpalais.htm [2] https://www.heise.de/tp/features/Die-Aufteilung-des-schwarzen-Kontinents-3384614.html [3] https://geschichte-wissen.de/blog/themenuebersicht-1begriffsdefinitionen-zum-thema-2die-epoche-des-europaeischen-imperialismus-3die/#ursachen [4] Womack, Ytasha; Afrofuturism; Chicago 2013. [5] https://www.learning-history.com/civil-war-hutu-vs-tutsi-rwandan-genocide/ [6] https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/176142/herero-aufstand-10-01-2014 [7] Vgl. Kößler, Reinhart: Imperialismus und Globalisierung. Anmerkungen zu zwei Theoriekomplexen. In: PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, 2003, Nr.4, S.536. [8] Ebd.: S.541. [9] URL: https://www.atomwaffena-z.info/heute/atomwaffenstaaten/nato.html. 09.07.2019. [10] Vgl. Reinhart: Imperialismus und Globalisierung, S.541-542. [11] Vgl. Segesser, Daniel M.: Imperialismustheorie und Geschichte. Eine empirische Annährung. In: Internationales Asienforum, 2014, Nr.3-4, S.403-407. [12] Vgl: Fröhlich, Michael.: Imperialismus: deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880-1914; München 1994.

Videolink: https://www.youtube.com/watch?v=ymI5Uv5cGU4

Literaturliste:

https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/176142/herero-aufstand-10-01-2014

https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/namibia/stadtspaziergang/reichskanzlerpalais.htm

https://geschichte-wissen.de/blog/themenuebersicht-1begriffsdefinitionen-zum-thema-2die-epoche-des-europaeischen-imperialismus-3die/#ursachen

https://www.heise.de/tp/features/Die-Aufteilung-des-schwarzen-Kontinents-3384614.html

https://www.learning-history.com/civil-war-hutu-vs-tutsi-rwandan-genocide/

Womack, Ytasha; Afrofuturism; Chicago 2013.

Vgl. Kößler, Reinhart: Imperialismus und Globalisierung. Anmerkungen zu zwei Theoriekomplexen. In: PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, 2003, Nr.4, S.536.

URL: https://www.atomwaffena-z.info/heute/atomwaffenstaaten/nato.html. 09.07.2019.

Vgl. Segesser, Daniel M.: Imperialismustheorie und Geschichte. Eine empirische Annährung. In: Internationales Asienforum, 2014, Nr.3-4, S.403-407.

Vgl: Fröhlich, Michael.: Imperialismus: deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880-1914; München 1994.