Kulturelle Globalisierung

Aus Transkulturalität
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Kulturelle Globalisierung

Die fortschreitende Globalisierung wirkt sich auf alle Facetten des gesellschaftlichen Lebens aus. Diese kulturellen Aspekte gehen nach Byung-Chul Han[1]über die Konzepte der Inter-, Multi- und Transkulturalität hinaus. Dabei kommt es zur Vernetzung diverser Kulturräume in einer Vielzahl von Bereichen. Dieser Artikel beinhaltet ausgewählte Themengebiete der kulturellen Globalisierung.

Religion

Der Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass Religionen mit ihren Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft, aber auch die Wirtschaft als die „ältesten Global Players“[2]verstanden werden können.[3] Religion ist seit jeher eine Wechselwirkung inhärent. Religionsgemeinschaften prägen kulturelle Entitäten und werden gleichermaßen von diesen geformt. Als wesentlicher Bestandteil einer Gesellschaft und ihrer Diskurse manifestieren sich Religionen u. a. in Ritualen und Traditionen, die religiös sind und sich kulturell verankern können. Die Globalisierung von Religionen hat einerseits zu religiös-kulturellem Pluralismus[4]beigetragen (Konvergenz), andererseits zu einer Konkurrenzsituation zwischen Religionsgemeinschaften geführt (Divergenz).[5]Somit treffen auf sie ebenfalls die komplexen Fragestellungen der Glokalisierung[6]zu, die insbesondere im Zusammenhang mit Diskursen über die kulturelle Globalisierung präsent sind.

Kunst

Auch Kunst ist ein Teil der kulturellen Globalisierung. Kunst kann man der Kategorie der Kulturellen Bildungzuordnen, zu welcher ebenfalls Aspekte wie unter anderem Tanz, Theater, Literatur, Architektur oder Musik zählen. Museen sind ein Beispiel für einen Ort, an welchem diese Kulturelle Bildung vermittelt wird.[7] Exemplarisch für Kunst im Rahmen der Globalisierung kann die Eröffnung des Louvre in Abu Dhabi im November 2017 betrachtet werden. Bereits zehn Jahre zuvor einigten sich Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate darauf, eine neue Art von kultureller Einrichtung entstehen zu lassen. Daraus resultierte, dass der Louvre Abu Dhabi, unterstützt von insgesamt 17 französischen Kultureinrichtungen, die Vision einer schnellen kulturellen Entwicklung mit französischer Expertise über Kunst und Museen verbinden konnte. Bereits bei der Planung des Museums entstand auf diese Weise ein Austausch zwischen zwei Kulturen. Dieser spiegelt sich unter anderem in der Architektur, die französisches Design mit dem arabischen Erbe verbindet,[8]sowie im Namen „Louvre“, der normalerweise zuerst mit der Stadt Paris in Verbindung gebracht wird, wider. Die Tatsache, dass Jean Nouvel, der französische Architekt des Gebäudes, und Emmanuel Macron, der Präsident Frankreichs, an der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi teilgenommen haben, untermauert die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Ausstellung beinhaltet etwa 200 Werke, die dem Museum selbst gehören. Im Louvre Abu Dhabi gibt es zudem 300 Werke, die langfristig von französischen Museen verliehen sind. Allerdings ist hier nicht nur die Beziehung zwischen Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten von zentraler Bedeutung – auch andere Länder, Religionen und Kulturen sind Bestandteil der Ausstellung. Darüber hinaus werden Epochen zwischen der Antike und der Gegenwart thematisiert. Zum Beispiel findet man im Louvre Abu Dhabi einen Buddha-Kopf oder eine steinerne Hindu-Göttin. Das Christentum wird unter anderem durch eine Madonna mit Kind sowie durch Leonardo da Vincis Werk „Salvator mundi“ repräsentiert.[9] Die Rolle der Globalisierung in Bezug auf Kunst ist auch in der Selbstbezeichnung des Louvre Abu Dhabi auf der eigenen Website als universelles Museum in der arabischen Welt[10]erkennbar. In der Institution werden Kunstwerke aus der ganzen Welt präsentiert; man arbeitet somit auf einer globalen Ebene. Die Internationalität des Museums wird ebenfalls dadurch unterstrichen, dass die dortige Arbeitssprache Englisch ist.[11] Anhand dieses Museums erkennt man sehr gut, dass im Bereich der Kunst heutzutage kaum mehr Grenzen zwischen Nationen oder Kontinenten existieren, da sich partikulare kulturelle Merkmale vermischen.

Wohnkultur

Wohnen bedeutet etymologisch betrachtet „sich aufhalten, bleiben“ und reicht über „nach etwas trachten, gernhaben“ bis hin zu „Gefallen finden, zufrieden sein, sich gewöhnen“.[12]Dabei erstreckt sich das Wohnen über einen Zeitraum und setzt einen Ort voraus, irrelevant ob mobil oder statisch, an dem es stattfindet. Durch das Be-Wohnen hinterlassen die Bewohner am Ort des Geschehens Spuren.[13]Sie werden somit zu Kulturproduzenten nicht nur ihrer persönlichen Wohnkultur, sondern auch von Innen- und Außenarchitektur sowie von Design mit identitätsstiftender und transkultureller Wirkung. Die zunehmende, weltweite Nivellierung der Lebens- und damit der Wohnkulturen in der „Eine-Waren-Welt“, die globale Produktion und Vermarktung von Design- und Konsumgütern sind unter Schlagwörtern wie „Cocalization“ oder „McDonaldisierung“bekannt.[14] Es ist eine Kulturindustrie entstanden, die global über Grenzen hinweg agiert und von politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen getragen wird. Global wirkende Kulturkonzepte werden jedoch nur dann in den lokalen Kulturdiskurs implementiert, wenn eine Bereitschaft zur Akkulturation besteht und Transformation bzw. Neuinterpretation, also „Glokalisierung“ (Robertson), möglich ist.[15] Die Suche nach kultureller Identität ist dabei von großer Relevanz und zwingt auch die globalen Kulturproduzenten dazu, ihre Produkte anzupassen. Die Fähigkeit von Kulturen, fremde Kulturprodukte aufzunehmen und zu adaptieren, lässt sich gut am schwedischen Möbel- und Designgiganten IKEA als weltweit agierendem Produzenten und Vermarkter von Wohnkultur aufzeigen: Bereits seit den 1970er Jahren verwendet IKEA Produktnamen und keine Kennzeichnung durch Nummern. So begegnen den Kunden beispielsweise schwedische Ortsnamen für Bücherregale und Sofas, Namen skandinavischer Flüsse, Seen und Buchten für Badezimmerprodukte. Doch die Globalisierung ist nun auch beim Wohndesign angekommen: Im Mai 2019 wartete IKEA mit Design aus Afrika auf und brachte die limitierte „Överällt“-Kollektion auf den Markt, die auf der Kollaboration mit zehn afrikanischen Designern und Designteams basiert. Der Name ist Programm: „Överällt heißt übersetzt überall.“[16]Bezeichnungen in afrikanischen Sprachen gibt es für die Produkte nicht. Sie heißen weltweit durchgängig, also auch an den beiden IKEA-Standorten auf dem afrikanischen Kontinent (Ägypten[17], Marokko[18]; Stand: 01.07.2019), „Överällt“. Diese Produkte sind damit weltweit an allen Standorten des Möbelherstellers vermarkt- und kaufbar. Das Produktkonzept zeigt deutlich das Spannungsfeld von Glokalisierung und Re-Glokalisierung innerhalb des global-kulturellen Verflechtungsszenarios.

Reisen

In den letzten Jahrzehnten hat eine ständige Entwicklung der Quantität und Qualität des Reisens stattgefunden, sodass man auch hier einen Zusammenhang mit der kulturellen Globalisierung beobachten kann. Die Ausgangsthese lautet, dass das Reisen einen Kulturkontakt zwischen Reisenden und Einheimischen oder anderen Reisenden ermöglicht. Das kanadische Unternehmen Arton Capital hat im Mai 2017 Daten in seinem Passport Index veröffentlicht, die sich auf die weltweite Reisefreiheit beziehen: Reisende aus insgesamt 29 Ländern der Welt, darunter vielen europäischen Staaten, den USA, Südkorea und Singapur, hatten die Möglichkeit, in mehr als 150 Staaten ohne ein Visum einzureisen. Am Beispiel von Deutschland zeigen diese Daten, dass die Bürger kein Visum benötigten, um in 125 Staaten der Welt einreisen zu können. Dazu addiert werden 34 Staaten, in denen Personen mit einem deutschen Reisepass unmittelbar nach der Ankunft ein Visum erhielten. Lediglich in 39 Ländern war ein Einreisevisum notwendig. Menschen mit einem deutschen Pass konnten, genauso wie Singapurer, in 159 verschiedene Länder problemlos reisen. Von der Reisefreiheit profitierten außerdem in besonderem Maße Menschen mit einem schwedischen Reisepass, die 158 Länder visumfrei bereisen konnten.[19] Tourismuszahlen belegen, dass die internationalen Touristenankünfte zwischen den Jahren 1950 und 2005 von 25 Millionen auf 808 Millionen jährlich gestiegen sind. Bis 2020 werden über 1,5 Milliarden Touristenankünfte weltweit pro Jahr prognostiziert.[20]Gesetzliche Regelungen wie das Schengen-Abkommen oder die Währungsunion vereinfachen das Reisen für die Bürger innerhalb Europas. Bereits die Beweggründe für eine Reise sind sehr divers. Neben einer Urlaubs- oder Geschäftsreise können auch der Besuch von Freunden oder Familie, eine Kur oder Pilgerreisen unter den Tourismusbegriff gefasst werden.[21] Dadurch, dass sich das Reisen im Zuge der Globalisierung insofern entwickelt hat, dass man in viele Staaten ohne Weiteres einreisen kann, ist theoretisch ein ständiger Austausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen möglich. Voraussetzung dafür ist, dass sowohl die Reisenden als auch die Einheimischen den Kontakt zueinander begrüßen, indem sie offen für neue Erfahrungen sind und sich gegenseitig respektieren. Daraus ergibt sich das Potenzial, dass diese Menschen eine andere Wahrnehmung des Fremdenentwickeln können oder, dass das gegenseitige Kennenlernen und die Völkerverständigung verbessert werden können.[22] Die Europäische Union hat eine Initiative namens DiscoverEU ins Leben gerufen, die sich an 18-jährige EU-Bürger richtet. Im Jahr 2018 wurden etwa 30 000 Travel-Pässe an ausgewählte Bewerber*innen verschenkt, sodass diese die Möglichkeit hatten mit dem Zug verschiedene europäische Länder zu besuchen. Neben dem eigentlichen Motiv ihrer Reise, Landschaften und Städte in Europa zu entdecken, können die Jugendlichen während ihres Urlaubs in Kontakt mit anderen Reisenden treten. Zusätzlich wird das Programm damit beworben, sich „europäisch“ fühlen zu können. Somit soll die Europareise auch dazu dienen, Staatsgrenzen aufzuheben und eine internationale Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen. Für die Reisenden besteht zudem die Chance, über die sozialen Medien bereits vor der Reise Verabredungen mit anderen Jugendlichen zu planen, die in der EU leben und ebenfalls einen Travel-Pass besitzen.[23] Als Folge des Reisens können Reisende sowohl untereinander als auch mit Einheimischen interagieren, wodurch es zu einem kulturellen Austausch kommt.

Esskultur

Die Globalisierung ermöglicht, schnell und preiswert an Nahrung zu gelangen. Das sogenannte „Fast Food“, wörtlich übersetzt „schnelles Essen“ ist in aller Munde. Im Laufe der letzten Jahrzehnte fand eine deutliche Veränderung der Esskultur der Menschheit statt. McDonald’s eröffnete sein erstes Restaurant im Jahr 1940 in Kalifornien, USA. Im Laufe der 1970er-Jahre expandierte das Unternehmen in Teile Europas, Mittelamerikas, Australiens und Japans bis hin zu Afrika. Mit mehr als 36.000 Filialen in mehr als 110 Staaten zählt das Unternehmen somit zu den bekanntesten Fast-Food-Unternehmen weltweit. Pro Tag hat der Konzern circa 70 Millionen Kunden.[24] Dieses Phänomen wird als „McDonaldisierung“ bezeichnet.[25]Der Konzern verlangt, dass die Produkte eine konstante Qualität aufweisen, wodurch eine einheitliche Planung und Steuerung über die gesamte Produktionskette erforderlich ist. Die Vereinheitlichung umfasst ebenfalls identische Bedienungssysteme sowie eine gleichbleibende Architektur des Schnellrestaurants.[26]Allerdings variiert das Preisniveau von Land zu Land. Da der Konzern den Auftritt und die Produktplakette je nach Region den kulturellen Gegebenheiten anpasst (Glokalisierung), ist das Unternehmen ein Beispiel für die These der kulturellen Konvergenz.[27]So werden in Indien keine Rindfleischgerichte verkauft und in islamischen Ländern wird auf die Besonderheiten der Esskultur geachtet. Die Grenzen der verschiedenen Esskulturen verschmelzen. Dieser Prozess kann bis hin zu einer Verdrängung der regionalen Esskultur durch die Errichtung diverser Fast-Food-Unternehmen führen.

Mode

„Kleider machen Leute“: Heutzutage gewinnt Mode immer mehr an ästhetischer Bedeutung. Die Kleidung gibt Auskunft über die soziale Stellung, die kulturellen Hintergründe, sowie über die eigene Wertvorstellung.[28] Die Mode- und Textilgeschichte ist historisch eng mit dem Kolonialismus verflochten. Er hinterlässt seine Spuren bis in die gegenwärtige Globalisierung.[29]Ausgehend von einer Kreativbranche voller Künstlertypen, hin zu einer globalen Entertainmentindustrie. Dabei entsteht keine internationale Mode, vielmehr ethnische, kulturelle und geschlechtliche Merkmale.[30]Transferprozesse werden in Gang gesetzt, die Rohstoffe, Formen, Farben und Materialien und Techniken global „zirkulieren lassen“.[31] Durch global agierende Modekonzerne kommt es zu einer Filialisierung und Vereinheitlichung der ästhetischen Vorlieben. Traditionelle und regionale Modestile verlieren an Bedeutung. Nicht selten legen die Kleidungsstücke einen langen Weg zurück. Die einzelnen Produktionsschritte werden in Ländern vorgenommen, die günstige Bedingungen bieten, allerdings ihren Mitarbeitern niedrige Löhne zahlen. Die Jeans gilt als zeitlos und befindet sich in nahezu jedem Kleiderschrank. Beginnend beim Anbau von Baumwolle in Usbekistan, der Spinnerei in der Türkei, der Weberei in Taiwan, der Einfärbung in Polen und Tunesien, dem Nähen in China und der abschließenden Fertigstellung in Frankreich, reist eine Jeans mehr als 50.000 km durch die Welt,[32]bevor sie bei den Kunden in Deutschland eintrifft.[33] Mode kann also als transkulturelles Phänomen zwischen Globalisierung und regionaler Verortung betrachtet werden.[34]

Social Media

Social Media (auch soziale Medien) ist eine Vielfalt digitaler Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglicht, sich grenzübergreifend auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu gestalten. Die Interaktion umfasst den gegenseitigen Austausch von Informationen, Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen sowie das Mitwirken an der Erstellung von Inhalten. Die Nutzer nehmen durch Kommentare, Bewertungen und Empfehlungen aktiv auf die Inhalte Bezug und bauen auf diese Weise eine soziale Beziehung untereinander auf.[35] Durch die zunehmende Verbreitung des Internets, die schneller werdende Datenübertragung und das damit verbundene veränderte Nutzerverhalten hin zu mobilen Geräten, spielen die sozialen Medien weltweit eine immer größere Rolle im Alltag der über 7,6 Milliarden Einwohner der Erde. Laut einer Statista-Umfrage von April 2019, die nur aktive Nutzerkonten berücksichtigt, liegt der Marktführer Facebook bei 2,32 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat an der Spitze, was fast einem Drittel der Weltbevölkerung entspricht. Auf den Plätzen 2 bis 5 folgen YouTube, WhatsApp, Facebook Messenger, WeChat und Instagram. Twitter liegt mit 330 Mio. Nutzern auf Platz 12. Viele dieser sozialen Medien, die ihren Ursprung in den USA haben, werden global genutzt oder dienen als Inspiration für den Aufbau lokaler Netzwerke wie z.B. Qzone oder Renren in China. Die führenden sozialen Netzwerke sind in mehreren Sprachen verfügbar und ermöglichen die Vernetzung über geographische, politische und ökonomische Grenzen hinweg. Dabei werden nicht nur Inhalte, Status oder Standorte in geschlossenen Netzwerken mit Freunden oder Familie geteilt, sondern Nutzer auch bei Online-Spielen international miteinander verbunden.[36] Generell wird durch die globale Nutzung sozialer Medien der Austausch und die Verbreitung von Daten innerhalb weniger Sekunden möglich, wovon nicht nur private, sondern auch kommerzielle und politische Nutzer profitieren. Somit schafft die Globalisierung über Landesgrenzen hinweg eine Nachfrage nach bestimmten Produkten und Marken. Allein an Werbeeinnahmen generierten Social Media Plattformen 2015 weltweit über 8,3 Milliarden USD. Die Ausgaben für Werbung beliefen sich im gleichen Jahr sogar auf über 74 Milliarden USD.[37] Der politische Einfluss von sozialen Netzwerken lässt sich zwar nicht monetär erfassen, schlägt sich jedoch in Wahlergebnissen auf der ganzen Welt nieder. So spielten die sozialen Medien im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 eine entscheidende Rolle. Ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung informiert sich über politische Inhalte in den sozialen Medien. Die politischen Akteure selbst setzen die sozialen Netzwerke gezielt ein, um politische Institutionen und Personen öffentlich anzugreifen. Trotz unterschiedlicher politischer Systeme haben derartige Strategien weltweit Einfluss auf Wahlkampagnen. Die aktive Beeinflussung bis hin zur Manipulation der Meinungsbildung durch soziale Netzwerke hat sich zu einem globalen Phänomen der Gegenwart entwickelt.[38] Mit der Kommerzialisierung der Netzwerke geht die globale Verwendung von personenbezogenen Daten für Werbung bzw. zur Beeinflussung des eigenen Nutzerverhaltens einher.[39]

Medien und Unterhaltung

Eine weitere Folge der Globalisierung ist die Vernetzung der Nachrichtenagenturen, die Zeitungen sowie Nachrichtensendungen in Radio und Fernsehen mit Informationen versorgen. Dabei stammen die internationalen Nachrichten in diesen Medien größtenteils aus drei Nachrichtenagenturen in New York, London und Paris. Daneben gibt es weltweit nationale Nachrichtenagenturen, wie z.B. die Deutsche Presseagentur (DPA). Diese verfügen aufgrund ihrer geringen Größe allerdings meist nicht über ein eigenes Korrespondentennetz im Ausland. Sie müssen sowohl untereinander als auch mit den globalen Agenturen kooperieren. Die amerikanische Associated Press (AP) mit über 4000 Mitarbeitern ist in Besitz von US Medienunternehmen und hat ihre Hauptredaktion in New York. AP Nachrichten werden von rund 12000 Medien genutzt, die täglich mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung erreichen. Die französische Agence France-Presse (AFP) hat ihren Sitz in Paris. Mit ihren ebenfalls rund 4000 Mitarbeitern ist sie quasi-staatlich. Pro Tag versendet sie über 3000 Meldungen und 2500 Fotos an Medien in aller Welt. Die britische Reuters in London mit 3000 Mitarbeitern ist privatwirtschaftlich organisiert. 2008 wurde sie vom kanadischen Medienunternehmer Thomson, einem der 25 reichsten Menschen der Welt, gekauft. Er fusionierte sie zu Thomson-Reuters mit Sitz in New York. Trotz ihrer essentiellen Bedeutung in der globalen Medienlandschaft, sind diese drei Agenturen allerdings kaum in der Öffentlichkeit bekannt.[40]Zahlreiche Konsumenten von Nachrichten wissen nicht, dass sie ihre Informationen oftmals aus drei Quellen beziehen.[41]Quellenangaben in Zeitungen und Zeitschriften werden häufig nur von Spezialisten als solche erkannt. Radio und Fernsehen arbeiten in der Regel ohne Quellenangaben.[42] Ähnlich verhält es sich im Bereich der Unterhaltungsindustrie, in dem sich über die letzten Jahrzehnte hinweg ein Wandel von regional zu global vollzogen hat. Zahlreiche Sendeformate (z.B. „Big Brother“) werden von einem Anbieter entwickelt, durch selbstgegründete oder aufgekaufte Unternehmen vertreten, um weltweit in der jeweiligen Landessprache vermarktet und ausgestrahlt zu werden.[43] Bezeichnend für die globalisierte Unterhaltungsindustrie sind die Wechselwirkungen Hollywoods mit nationalen Filmindustrien, die seit den 1990er Jahren zu einem Verlust an künstlerischer und lokaler Vielfalt führen. Hollywoodproduktionen werden einerseits an den universellen Geschmack angepasst, indem sie inhaltlich auf Emotionen und Instinkte begrenzt und kontroverse Themen von vornherein ausgeklammert werden. Andererseits werden ausländische Filmproduktionen exotisiert, um der Erwartungshaltung des US-Filmmarktes zu entsprechen. Die amerikanische Filmkultur hat sich auf Kosten der kulturellen Vielfalt und Individualität als eine Art Welt-Filmkultur etabliert.[44] Durch die zuvor genannten Entwicklungen ist eine globale Homogenisierung der Medien- und Unterhaltungsindustrie angestoßen worden, die bis in die Gegenwart anhält und sich zudem auf Sozialmuster in der ganzen Welt auswirkt.

Der kontinuierliche Wandel der kulturellen Aspekte beeinflusst grenzüberschreitend nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Die Frage nach der Differenzierung zwischen einer universalen Kultur und einzelnen Kulturkonstrukten wird den Diskurs weiterhin lebendig halten.


[1]Vgl. Han, Byung-Chul. Hyperkulturalität. Berlin: Merve, 2005. [2]Graf, Friedrich Wilhelm Müller, Johannes (Hg.) Religionen und Globalisierung. Stuttgart: Kohlhammer, 2007. [3]https://m.bpb.de/apuz/29230/religionen-und-globalisierung-essay[28.05.2019]. [4]https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000127162[28.05.2019]. [5]Mishra, Vibha. Religion and Globalization. In: Shodhshauryam, International Scientific Refereed Research Journal (SHISRRJ), Band 2, Ausgabe 1, Januar/Februar 2019, S. 25-28. http://shisrrj.com/paper/SHISRRJ19218.pdf[01.07.2019]. [6]Roland Robertson. Glokalisierung, Homogenität und Heterogenität in Raum und Zeit. In: Ulrich Beck (Hg.), Perspektiven der Weltgesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998, S. 192-221. [7]Vgl. https://www.kubi-online.de/artikel/kulturelle-bildung-globalisierung[26.05.2019]. [8]Vgl. https://www.louvreabudhabi.ae/en/about-us/our-story[20.06.2019]. [9]Vgl. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/der-louvre-abu-dhabi-und-der-westen-15332500.html[20.06.2019]. [10]Vgl. https://www.louvreabudhabi.ae/en/about-us/our-story[20.06.2019]. [11]Vgl. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/der-louvre-abu-dhabi-und-der-westen-15332500.html [20.06.2019]. [12]https://www.duden.de/rechtschreibung/wohnen#herkunft[28.05.2019]. [13]Vgl. Heidegger, Martin. Bauen Denken Wohnen. In: Ders.: Vorträge und Aufsätze. Stuttgart: Klett-Cotta, 2009, S. 139. [14]Wagner, Bernd. Kulturelle Globalisierung. Von Goethes "Weltliteratur" zu den weltweiten Teletubbies.In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Band 12, 2002. [15]Roland Robertson. Glokalisierung, Homogenität und Heterogenität in Raum und Zeit.In: Ulrich Beck (Hg.), Perspektiven der Weltgesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998, S. 192-221. [16]https://ikea-unternehmensblog.de/article/2019/oeverallt-design-afrika[01.07.2019]. [17]https://www.ikea.com/eg/en/search/?query=%C3%B6verallt[01.07.2019]. [18]https://fr.ikea.com/ma/fr/search/?query=%C3%B6verallt[01.07.2019]. [19]Vgl. http://m.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52792/reisefreiheit[26.05.2019]. [20]Vgl. Kessler, Johannes (Hg.), Facetten der Globalisierung. Zwischen Ökonomie, Politik und Kultur. Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, S.142. [21]Vgl. Steinecke, Abrecht, Internationaler Tourismus. UVK, 2014, S. 20. [22]Vgl. ebd., S. 137. [23]Vgl. https://europa.eu/youth/discovereu_de[21.06.2019]. [24]Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52774/fast-food[30.06.2019]. [25]Vgl. https://www.duden.de/rechtschreibung/McDonaldisierung[30.06.2019]. [26]Vgl. http://irina.stobbe.net/wiki/images/BabettKloeppelMcDonald.pdf[30.06.2019]. [27]Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52774/fast-food[30.06.2019]. [28]Vgl. https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52789/mode[01.07.2019]. [29]Vgl. Schrödl, Barbara (Hg.), und Julia (Hg.), Allerstorfer. Stoffwechsel. Wien: Böhlau Verlag, 2019. [30]Vgl. https://www.welt.de/wirtschaft/article134534772/Mode-wird-zum-Seismografen-der-Weltwirtschaft.html[30.06.2019]. [31]Vgl. Schrödl, Barbara (Hg.), und Julia (Hg.), Allerstorfer. Stoffwechsel. Wien: Böhlau Verlag, 2019, S. 8. [32]Vgl. https://fes-online-akademie.de/fileadmin/Inhalte/01_Themen/02_Globalisierung/Unterrichtsmaterial/FES_OA_Lehrmat_Reise_einer_Jeans.pdf[30.06.2019]. [33]Vgl. https://www.welthaus.de/fileadmin/user_upload/Bildung/Unterrichtsmaterialien_Reise_einer_Jeans.pdf[30.06.2019]. [34]Vgl. Schrödl, Barbara (Hg.), und Julia (Hg.), Allerstorfer. Stoffwechsel. Wien: Böhlau Verlag, S. 9. [35]Vgl. König, Christian, Matthias (Hg.) Stahl, und Erich (Hg.) Wiegand. Soziale Medien. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 2014, S.13-24. [36]Vgl.https://www.statista.com/statistics/272014/global-social-networks-ranked-by-number-of-users/[25.06.2019]. [37]Vgl. https://www.brandwatch.com/de/blog/interessante-social-media-zahlen-und-statistiken/[25.06.2019]. [38]Vgl. https://www.hss.de/download/publications/SocialMedia_Hegelich.pdf, S. 14-24, [25.06.2019]. [39]Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52777/soziale-netzwerke[25.06.2019]. [40]Vgl. https://swprs.files.wordpress.com/2017/12/der-propaganda-multiplikator-2016-mt.pdf[25.06.2019]. [41]Vgl. Schulten-Jaspers, Yasmin (2013): Zukunft der Nachrichtenagenturen. Situation, Entwicklung, Prognosen. Nomos, Baden-Baden, S. 13. [42]Vgl. Blum, Roger et al. (Hg.) (1995): Die AktualiTäter. Nachrichtenagenturen in der Schweiz. Verlag Paul Haupt, Bern. S. 9. [43]Vgl. https://www.bloomberg.com/news/articles/2012-04-03/mediaset-sells-endemol-debt-to-exit-investment-in-tv-producer[25.06.2019]. [44]Vgl. Beck, Ulrich (Hg.), und Internationale Konferenz Global America? (2000 Elmau). Globales Amerika? Bielefeld: Transcript, 2003. S. 51-53.