Benutzer:Postkoloniale Theorien

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[[Postkolonialismus In den 1980er Jahren entstand die Strömung des Postkolonialimus. Der Begriff wird meist mit Edward Said und seinem Buch Orientalism in Verbindung gesetzt. Doch sind die Grundzüge des Postkolonialimus nicht neu, sie sind „bereits bei Mahatma Gandhi, Frantz Fanon oder Aimé Césaire in der Nachkriegszeit“ zu finden. Der Postkolonialismus fasst also alle Ausgangspunkte zusammen, die Kritiken an den Kolonialismus äußern. Der Postkolonialismus wird meist als zeitliches Konzept missverstanden. Er verdrängt nicht nur den Kolonialismus, er beschäftigt sich vielmehr mit den Debatten, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Rangordnungen des Kolonialismus. Post-kolonial heißt also nicht, dass der Kolonialismus vollendet ist, und nun eine Zeit beginnt. Das Präfix „post“ veranschaulicht ferner, dass die Auswirkungen des Kolonialismus immer noch bestehen und man diese behandeln muss um sich mit postkolonialen Problemen, wie „Armut, Autoritarismus […], eurozentrische und rassistische Denkweisen“ auseinandersetzen zu können.

Wichtige Postkolonialismustheoretiker: - Edward Said: Das von Edward Said im Jahre 1978 verfasste Buch Orientalism gilt als theoretisches Gründungsschriftstück des Postkolonialismus. Das Buch behandelt die Entstehung des Orients. Der Orientalismus beschäftigt sich mit den stereotypisierten Bildern des Orients, welche vom Westen entwickelt werden. Doch diese Bilder sind voller Stereotypen und Vorurteile, und entsprechen so nicht der Realität. Der Orient wird so dem Okzident (Westen) gegenübergestellt. Der Okzident sei dabei „fortschrittlich, rational, zivilisiert, […] überlegen und maskulin konnotiert“ , der Orient hingegen sei „rückständig, irrational, zivilisierungsbedürftig, rassisch unterlegen und dabei feminisiert.“ Um seine These weiterauszuarbeiten, bedient er sich der Diskurstheorie von Michel Foucault. Michel Foucault geht davon aus, dass alles was wir für wahr empfunden haben, eigentlich nur ein Konstrukt der Wirklichkeit sei. Demnach sei der Orient nur eine Konstruktion des Orients selbst. Der Orient wurde so letztendlich „zum Objekt europäischer (männlicher) Kolonialisierung und Kontrolle.“

- Homi K. Bhabha: Homi K. Bhabhas wichtigstes Werk ist das Buch The location of culture, das im Jahre 1994 verfasst wurde. Homi K. Bhabha beschäftigt sich in diesem Buch mit den „Zusammenhänge[n] von Kultur, Macht und Differenz, von Gemeinschaft und Solidarität“ , sowie mit der Identitätskonstruktion innerhalb des kolonialen Diskurses. Seine zentralen Begriffe sind Hybridität und Dritter Raum. Homi K. Bhabha geht zum einen davon aus, dass man Kulturen nie voneinander trennen kann. Das heißt es existieren keine klaren Grenzen zwischen den einzelnen Kulturen. Zum anderen ist er der Meinung, dass Kulturen nie eine identische Form aufweisen. Hybridität entsteht also, wenn ständig wandelnde Kulturen zusammentreffen und es dann zu kulturellen Überschneidungen kommt. Das Individuum setzt sich dann aus verschiedenen kulturellen Elementen, Ansichten und sozialen Umgebungen zusammen, sodass letztendlich eine hybride kulturelle Identität entsteht. Homi K. Bhabha verwendet in diesem Zusammenhang, um Kulturen zu beschreiben, nicht den Begriff Diversität, sondern Differenz. Denn Diversität setzt bereits voraus, dass Kulturen „homogene, in sich geschlossene Einheiten“ sind. Kulturelle Differenz, hingegen, entsteht nur durch Wechselwirkung von Kulturen. Als Dritten Raum bezeichnet Bhabha den Raum, in dem beim Zusammentreffen von Kulturen, Prozesse des Übersetzens und der Transformationen stattfinden. In diesem Dritten Raum herrscht kein hierarchisches Verhältnis der einzelnen Kulturen, sondern jede Kultur wird gleich gewichtet.

- Gayatri Chakravorti Spivak: Gayatri Chakravorti Spivaks Hauptwerk ist In Other Worlds – Essays in Cultural Politics, das im Jahre 1988 veröffentlicht wurde. Spivak legt in ihren Werken den Schwerpunkt „auf die problematische Rolle von Geschlechter- und Klassenverhältnissen in postkolonialen Widerstandsbewegungen, auf den Gegensatz zwischen den indischen Eliten und den unteren Bevölkerungsschichten und auf die gewaltsame Unterdrückung von Frauen des Südens.“

- Pankaj Mishra: Pankaj Mishra behandelt in seinem bekanntesten Werk From the Ruins of Empire den „antikolonialen Widerstand[s] in Asien und der arabischen Welt.“ Er möchte so aufzeigen, wie die Völker des Ostens auf den Kolonialismus im Westen reagiert haben und wie diese damit umgegangen sind. Die Seeschlacht von Tsushima im Jahre 1905 stellt nach Mishra das Ende des unüberbrückbaren Westens dar. Zudem stellt auch dies den Anfang der Modernisierung in Asien dar. Pankaj Mishra geht also davon aus, dass der Westen dem Osten nicht überlegener ist. Zudem verdeutlicht er, dass für das Scheitern, sowie für die Niederlage des Ostens nur der Westen verantwortlich sei. Mishra betont außerdem, dass es wichtig ist, den Kolonialismus aus der Sicht von dem Osten zu betrachten um die heutige Situation der östlichen Nationen zu verstehen.



Neokolonialismus

Begriffserklärung: Als sogenannter Neokolonialismus werden die sozio-politischen Folgen von Staaten der Dritten Welt nach Auflösung der Kolonialherrschaft beschrieben. Diese werden von den bis heute noch bestehenden Zusammenhängen zur Ökonomie der Ersten Welt definiert. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen Wort „neos“ (dt. neu) und Kolonialismus zusammen, welches als Phänomen des Imperialismus zur territoriale Übernahme von vorwiegend afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern führte . Der Neokolonialismus wird im heutigen Diskurs im Kontext zur Globalisierung und zur Kontextualisierung von postkolonialen Theorien verwendet .

Entwicklung: Im Zuge der Dekolonialisierung stellten sich viele Fragen zur Unabhängigkeit und Souveränität der sich bildenden Nationen, die gewaltsam erkämpft wurden . Diplom-Psychologin und Pädagogin, Dr. Do Mar Castro Varela stellt allerdings die These auf, „dass ebendiese Kämpfe in Teilen noch immer andauern“ (vgl. „Postkoloniale Theorie, Eine kritische Einführung“, S. 45). Auch wird die Globalisierung demnach mit Rücksicht auf den Imperialismus als eurozentrisches Machtgefälle kritisiert. Einige Experten betrachten die eventuelle Entstehung der Globalisierung als direkte Folge der europäischen Hegemonie und kolonialen Beziehungen betrachtet werden kann, die eine derartige Vernetzung erst ermöglichte und den Weg für eine Globalisierung der Welt ebnete , wobei dennoch ein Verständnis für historische Prozesse hergestellt werden sollte um die Globalisierung und ihre Probleme als Ganzes zu verstehen (vgl. Loomba et al, 2005: 4) Der ständige Austausch zwischen den ehemals kolonialisierten Nationen und den Ländern der Ersten Welt wirft ebenfalls Fragen zu An- und Enteignungsprozessen des Imperialismus auf , welche Folgen diese hatten und inwieweit diese heute noch diskutiert werden sollten. In den späten 2010er Jahren werden Themen, wie zum Beispiel Kulturelle Aneignung in westlichen Medien oft im Kontext des Neokolonialismus analysiert und die Kapitalisierung von Kultur durch den Tourismus, sowie auch ökonomischen Taktiken wie Outsourcing von Unternehmensmitarbeitern. Speziell bei der Analyse von Unternehmen zeigt sich, dass diese nach wie vor noch klar von den ehemaligen Machtstrukturen profitieren. Im Vordergrund stehen vor allem auch die Nationen selbst, welche unter dem Kolonialregime standen und häufig immer noch unter schlechten Lebensbedingungen, Armut und Menschenrechtsverletzungen leiden und sich somit auch am Boden des kapitalistischen Weltmarkts befinden. Abzugrenzen ist der Neokolonialismus vom Postkolonialismus hinsichtlich dessen, dass bei letzterem der Staat und seine inneren, vom Kolonialismus beeinflussten, Mechanismen im Vordergrund stehen, wobei der Neokolonialismus darüber hinauszugehen versucht . Die transnationalen Vernetzungen im Zusammenhang mit der westlich geprägten Perspektive auf intersektionale Theorien wie beispielsweise zu Race werden in den Fokus gerückt. Dabei werden die noch immer bestehenden Machtverhältnisse des Imperialismus aufgedeckt und auf ihre Ursache und Wirkung analysiert. Die betroffenen Länder werden dabei weniger auf ihre Probleme reduziert sondern die Folgen ihrer Unterdrückung bekommen eine größere Bedeutung für eien Diskurs im öffentlichen Raum. Desweiteren lässt sich diese These auch in Debatten im Bezug auf Migrations – und Flüchtlingsprobleme der späten 2010er in Ländern wie Deutschland oder auch den Vereinigten Staaten von Amerika wiederfinden und besitzt damit auch eine zunehmende Präsenz im Alltagsleben.

Literaturverzeichnis: https://www.bpb.de/apuz/146971/kolonialismus-und-postkolonialismus?p=all (Letzter Abruf am 09.07.2019) Gilbert, Helen; Tompkins, Joanne: Post-colonial Drama: Theory, Practice, Politics. Routledge Verlag, 1996. Kerner, Ina: Postkoloniale Theorien zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag GmbH, 2012. https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007%2F978-3-658-05675-9_11-1 (Letzter Abruf am 09.07.2019) https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-13213-2_91 (Letzter Abruf am 09.07.2019) https://www.deutschlandfunk.de/homi-k-bhabha-die-verortung-der-kultur.730.de.html?dram:article_id=101531 (Letzter Abruf am 09.07.2019) https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-220194 (Letzter Abruf am 09.07.2019) https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/197328/aus-den-ruinen-des-empires (Letzter Abruf am 09.07.2019) https://www.swr.de/swr2/literatur/buch-der-woche/mishra-pankaj-aus-den-ruinen-des-empire/-/id=8316184/did=13026114/nid=8316184/1r9tsyk/index.html (Letzter Abruf am 09.07.2019) https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article125645485/Buchpreis-fuer-Mishra-ist-eine-Fehlentscheidung.html (Letzter Abruf am 09.07.2019) Do Mar Castro Varela, Maria,Dhawan,Nikita: „Postkoloniale Theorie, Eine kritische Einführung“,2. Komplett überarbeitete Auflage.


Verfasser: Soraya Nsingi, Agiththa Raveendran]]